Comenius ~ Besuch in der „Vitikkalan Koulu“ – Grundschule in Jämsä/Finnland

Veröffentlicht Veröffentlicht in Grundschule Bad Holzhausen international

Jämsä ist eine Stadt in Mittelfinnland. Es leben dort doppelt so viele Einwohner wie in Preußisch Oldendorf. Dennoch wirkt die Stadt nicht sehr groß. Viele Häuser in Jämsä sehen ähnlich aus wie in Preußisch Oldendorf: Es gibt Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser. Hochhäuser sieht man nicht.
Die Schule „Vitikkalan Koulu“ ist trotzdem um einiges größer als unsere. Ungefähr 390 Kinder aus den Klassen 1,2,3,4,5 und 6 gehen dort hin.
Schulgebäude in Finnland
An der Schule arbeiten 60 Erwachsene. Das sind natürlich nicht nur Lehrer und Lehrerinnen. Es gibt auch „Schul-Assistenten“, die im Unterricht häufiger mit dabei sind, um Kindern und Lehrkräften zu helfen. Im Nachmittagsbereich arbeiten – wie bei uns – Erzieherinnen. Außerdem sind mehrere Leute in der schuleigenen Küche beschäftigt. Es gibt Hausmeister, Reinigungskräfte und bestimmt noch einige andere Mitarbeiter.
Genau genommen ist die „Vitikkalan Koulu“ eigentlich gar nicht eine Schule, sondern vielmehr „zwei“. Es gibt nämlich einen Schulzweig für körperlich und geistig behinderte Kinder. Die Kinder, die hier unterrichtet werden, haben oft erhebliche Behinderungen. Sie brauchen geeignete Räume, Materialien, manchmal auch medizinische Helfer, um gut zurechtzukommen und lernen zu können. Für die behinderten Kinder gibt es auch einen zweiten kleinen Schulhof. Natürlich verbringen sie aber auch Pausen gemeinsam auf dem großen Schulhof mit allen anderen Kindern. Sowieso treffen sich behinderte und nichtbehinderte Kinder oft in der gemeinsamen „Aula“. In diesem großen Raum können mittags alle etwas Warmes essen. Es kostet nichts. Diese Möglichkeit nutzen viele Kinder, obwohl – wie in Preußisch Oldendorf – nicht alle am Nachmittag in der Schule bleiben.
Weil der Unterricht erst um 9.00 Uhr beginnt, endet die Schule aber oft auch etwas später als bei uns.
Der große Raum hat auch eine Bühne, so dass man bei Schulaufführungen nicht in die Turnhalle gehen muss.

Als Frau Hülsermann, Frau Hohnstädt und Frau Westerkamp in der „Vitikkalan Koulu“ waren, gab es in der Aula zum Beispiel eine tolle Talentshow, bei der alle Kinder zugeguckt haben. Jedes Kind, das etwas Besonderes konnte, durfte es auf der Bühne vorführen. Da wurde z.B. gesungen und getanzt. Ein Junge hat auf dem Klavier gespielt, andere haben Purzelbäume gezeigt oder sind mit dem Einrad gefahren. Besonders eindrucksvoll waren Vorführungen mit dem Diabolo. Es ist kaum zu glauben, welche Tricks die Kinder damit zeigen konnten!

Wenn man durch das Gebäude der „Vitikkalan Koulu“ geht, fällt immer wieder auf, dass alles neu und schön aussieht. Das Schulhaus wurde ja auch erst vor sechs Jahren gebaut. Vorher gab es ein altes Gebäude, das abgerissen werden musste.
In die Schulklassen kann man schon von den Fluren aus hineinsehen, da überall viel Glas eingebaut wurde. Toll waren auch die Tafeln. Eigentlich waren es nicht nur Tafeln, sondern „Tafelschränke“. Man konnte sie nämlich zur Seite schieben. Dahinter versteckten sich Regale und Schubladen.

Obwohl die Finnen so schicke Tafeln haben, scheinen sie die gar nicht so oft zu benutzen.
Die Lehrer und Lehrerinnen arbeiten häufig mit Computer und Beamer. Vieles wird auf eine Leinwand projiziert, die vor der Tafel heruntergelassen werden kann. Auch Schulbuchseiten können hier vergrößert angezeigt werden.
Die finnischen Schulbücher waren übrigens auch sehr interessant.
Im Lesebuch der ersten Klasse gab es zum Beispiel jede Übungsseite dreimal: Einmal für Kinder, die die Buchstaben noch lernen müssen, einmal für solche, die schon ein wenig Übung mit den Buchstaben haben und eine dritte für Kinder, die schon richtig lesen können.
Eine Lehrerin hat erklärt, dass die Klassen häufiger in drei Gruppen geteilt werden, um unterschiedlich schwierige Aufgabe bearbeiten zu können. Das kommt also nicht nur beim Lesenlernen vor.
Man sieht schon, dass in der finnischen Schule einiges anders ist als in Bad Holzhausen. Andererseits haben Frau Hülsermann, Frau Hohnstädt und Frau Westerkamp auch vieles gesehen, was ihnen sehr vertraut vorkam. Einmal konnten sie z.B. bei einer Mathestunde in Klasse 2 zugucken. Da wurden gerade Einmaleins- und Geteiltaufgaben geübt. Die Schulstunde hätte ganz genauso auch in Bad Holzhausen stattfinden können.
Es gab viele nette Kinder in der finnischen Schule. Genau wie in Bad Holzhausen haben sie meistens, aber nicht immer zugehört, wenn die Lehrerin etwas erklärte!
Nett waren übrigens nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrer und Lehrerinnen. Sie haben die Gäste bei ihrem Besuch in Jämsä so herzlich aufgenommen! Die Besucher durften sich überall umsehen und so viel fragen wie sie wollten.
Die Comenius-Gruppe hat in Jämsä mehrfach zusammengesessen und kräftig gearbeitet. Schließlich wollte man ja planen, wie es mit dem Comenius-Projekt weitergehen soll. Es gab aber auch Zeit für gemütliches Beisammensein. Alle hatten wirklich eine gute Zeit miteinander. Natürlich haben die drei Holzhauser auch die Lehrer(innen) aus England und Irland über ihre Schulen befragt. Aber darüber wird dann genauer berichtet, wenn die Fahrten in diese Länder stattgefunden haben.